Die Frage des Abwassersystems war ähnlich schwierig wie die Frage der Wasserversorgung.
Die Abwässer aus dem Lager durften nicht zu einer Gefahr für die
ganze Umgebung werden. Deswegen arbeiteten Ingenieure der =>Technischen Abteilung bereits Anfang 1942 an einem Klärsystem. Eine Kläranlage wurde jedoch
nicht bewilligt, also mussten andere Möglichkeiten entwickelt werden.
Theresienstadt ist Überschwemmungsgebiet und das alljährliche Frühjahrshochwasser
mit Eisgang erforderte das Schließen der Schleusen. Dies hatte jedoch
zur Folge, daß die Abwässer aus den Festungsgräben nicht mehr
in die =>Eger abfließen konnten, sondern sich dort sammelten. Solange es
in Theresienstadt nur eine kleine Zivilbevölkerung gab, war dies kein
Problem. Die Ansammlung von Abwässern einer 60.000-Personen-Gemeinde
stellte dagegen schon eine große Gefahr als Seuchenherd dar. Deswegen
wurde eine Pumpstation geplant und gebaut, die die Abwässer an der Oberfläche
bei Vereisung oder Hochwasser aus den Gräben in die =>Eger pumpen sollte.
Die Einrichtung konnte jedoch nicht eingesetzt werden, da die elektrisch-technische
Ausrüstung
nie geliefert wurde.
Also musste man sich mit einem Provisorium zufrieden geben. Ein Absatzbassin
wurde errichtet (135 m lang, 4 m breit, 1 m tief). Bei einer Stauhöhe
von 70 cm und einer Absatzzeit von 30-40 Minuten war die Anlage, die immer
wieder gechlort wurde, für 40.000 Personen ausgelegt. Der mitgeführte
Schlamm wurde abgestrichen, abtransportiert und in der Landwirtschaft als Dünger
genutzt (etwa 20 m³ pro Tag). Es war ein Provisorium. Anwohner am Unterlauf
der =>Eger beschwerten sich immer wieder über die aus Theresienstadt
stammenden Abwässer.