Haschomer Hazair (Eigenschreibweise Hashomer Hatzair; Gründungsname HaSchomer haZaʿir, hebräisch הַשּׁוֹמֵר הַצָּעִיר ha-Šōmer ha-Zaʿīr, deutsch ‚der junge Wächter‘) ist eine internationale sozialistisch-zionistische Jugendorganisation, welche die Pfadfindermethode nutzt.
Die Organisation wurde 1913/1914 im österreich-ungarischen Galizien unter dem Namen Haschomer („Der Wächter“) als Pfadfinderbewegung gegründet, die sich 1916 in Wien mit dem kulturell aktiven Studentenverband Zeirei Zion (‚Die Jugend Zions‘) zusammenschloss. Die Wiener Gruppe der Organisation wurde stark von jüdischen Flüchtlingen aus dem Osten der Doppelmonarchie geprägt, öffnete sich aber auch den Einflüssen des Wandervogels und der deutschen Jugendbewegung. Die Organisation orientierte sich an den Gedanken Gustav Wynekens, Martin Bubers und Robert Baden-Powells.
Ab 1931 entstanden auch Gruppen in mehrere Orte Deutschlands. Die erste Ken (Ortsgruppe) entstand in Mannheim und später gab es auch Kenim in Ludwigshafen, Berlin, Hamburg, Köln, Bremen, Essen und anderen Orten. 1938 wurde der deutsche Zweig von Hashomer Hatzair von den NS-Behörden aufgelöst.[1] Doch seine Mitglieder arbeiteten – so lange wie möglich – im Untergrund weiter. Unter anderem halfen sie jüngeren Mitgliedern bei der Flucht durch die Kinder- und Jugend-Alija.
Ein Hauptziel der Organisation war die Alija nach Palästina und die Gründung von Kibbuzim. Die ersten Mitglieder erreichten bereits 1919 das spätere britische Mandatsgebiet. 1927 schlossen sich die vier von den HaSchomer haZaʿir gegründeten Kibbuzim zum Dachverband HaKibbutz HaʾArtzi zusammen. Aus den in Palästina aktiven Gruppen des HaSchomer haZaʿir entstand 1936 die Sozialistische Liga, eine auch unter dem Namen Hashomer Hatzair agierende sozialistische Partei, die sich 1948 mit der Achdut haʿAvoda zur Mapam – Vereinigte Arbeiterpartei zusammenschloss.
Der Mitgliedsstand der Vereinigung erreichte gegen 1939 mit etwa 70.000 Mitgliedern weltweit seinen Höhepunkt, der Schwerpunkt lag in Osteuropa, insbesondere in Polen.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im Zuge des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Holocausts wurden der Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Kampf gegen die Wehrmacht zu Kernaufgaben des Verbandes. HaSchomer haZaʿir wurde zu einer Untergrundorganisation, die in verschiedenen Städten Widerstand gegen die Besatzer organisierte und durchführte. Mordechaj Anielewicz, der Führer der Warschauer Gruppe, übernahm während des Aufstands im Warschauer Ghetto die Leitung der Jüdischen Kampforganisation. In Rumänien wurde die Führung der Hashomer Hatzair wegen antifaschistischer Aktivitäten hingerichtet. In Frankreich und Belgien waren Leopold Trepper, Sophia Poznanska und andere polnische Haschomer-Hatzair-Aktivisten Teil der Résistance.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich viele Mitglieder der Haganah und der Palmach an, die Organisation beteiligte sich auch an der illegalen Einwanderung nach Palästina.