www.ghetto-theresienstadt.info - Ein Nachschlagewerk

Lange Straße L 216 - L 311 - L 315 - L 324

Block F III - L 216 Jugendbücherei

Gegen Ende des Jahres 1942 wurde die von =>Prof. Emil Utitz geleitete Zentralbücherei (ab 1944: Allgemeine Bücherei, L 216 - Nr. 12 auf dem Stadtplan) errichtet. Sie war von den Deutschen bewilligt worden, um das „zivile Antlitz“ von Theresienstadt zu demonstrieren.

Es gab auch kleinere Bibliotheken, eine medizinische, eine technische und eine für die Jugend.

Über die Jugendbücherei berichtete Herbert Maier in einem Bericht für =>VEDEM:
„Diese Woche wurde im L 216 eine Jugendbücherei eröffnet, über die wir eine kurze Reportage bringen. Der Gedanke, eine Jugendbibliothek einzurichten, entstand im Umkreis junger Menschen, die schon vorher für das Kulturprogramm der Jugend sorgten, bereits vor fünf Monaten. Aber die Verwirklichung dieses Plans gelang erst vor ein paar Wochen durch den Zusammenschluß der Privatbüchereien von L 216, Q 609, der Dresdener Jugendbücherei (gemeint ist die Dresdener Kaserne: Verf.) und einem Beitrag der Ghettobibliothek. Diese Grundlage, etwa 2.000 Bände, wurde durch Bücher einzelner Mitglieder erweitert, die für die Ausleihung eines Buches nach Hause mindestens zwei Bücher spenden mussten, für die Lektüre im Leseraum ein Buch. Nunmehr umfasst die Bibliothek etwa 35.000 Bücher und das Interesse unter der Jugend in Theresienstadt wächst ständig. Wertvolle Bände stehen den Lesern nur im Leseraum zur Verfügung. Die übrigen können nach Hause ausgeliehen werden. Die Bücherei umfasst tschechische und deutsche Belletristik, Bücher für Jungen, verschiedene wissenschaftliche Schriften, judaistische und zionistische Bücher.
Neben dem Buchverleih gibt es dort eine ständige Ausstellung bildender Kunst. Jeden Abend wird in der Bücherei ein Programm veranstaltet, ein Musikabend oder ein Vortrag, manchmal auch mit Lichtbildern.
Bisher ist es in Theresienstadt noch nicht vorgekommen, daß durch die Verbindung von etwas Privatem etwas Öffentliches entstanden ist.“ Quelle: 359)

 

In der =>Geniekaserne war ein Altersheim sowie ein Hilfskrankenhaus mit einer Abteilung für Herzerkrankungen, Tuberkulose usw. Es fanden hier Kulturveranstaltungen und Vorträge statt. Auf dem Dachboden wurde eine Betstube eingerichtet. Nach der Befreiung (noch in den sechziger Jahren) war hier ebenfalls ein Altersheim untergebracht, in dem Freiwillige der Aktion Sühnezeichen arbeiteten (Günther Wahrheit). Fast zwei Jahre lang brachten sie Medikamente der Ärztekammer Berlin (Wilmersdorfer Straße) zu den Ärzten des Altersheimes. Heute befindet sich hier das Haus der Sozialen Fürsorge. Quelle: 488) 489)

Gebäude L 315

In diesem Haus war die =>Ghettowache untergebracht. Die =>Ghettowache hatte die Aufgabe, die innere Ordnung aufrechtzuerhalten. Anfangs wurde sie nur aus jüngeren Männern zusammengestellt. Die Angst der Deutschen vor einem militärisch organisierten, wenn auch unbewaffneten Korps im Ghetto, führte im Juni 1943 zur Auflösung der =>Ghettowache. Fast alle ihre Mitglieder wurden mit einem =>Transport in den Osten geschickt. Später wurde die =>Ghettowache in einer Anzahl von 100 Mann im Alter von über 45 Jahren neu aufgestellt. In dem Gebäude befindet sich ein Saal, in dem Veranstaltungen stattfanden. Heute ist in diesem Gebäude das Kulturní dům (das Kulturhaus) untergebracht. In diesem Kulturhaus hatte die Stiftung =>Hans Krása (Gaby Flatow) ihr Büro, ebenfalls die Stiftung Theresienstadt. Hier gab =>Coco Schumann ein Konzert, wurden die Werke der ermordeten Theresienstädter Komponisten wieder aufgeführt. Quelle: 490) 491)

Gebäude L 324

In diesem Gebäude befand sich das SS-Kameradschaftsheim (später Viktoria genannt), in dem die SS-Leute sich „nach getaner Arbeit“ vergnügten. Hier empfing der Kommandant die zu Besuch weilende SS-Prominenz aus Berlin oder Prag, bewirtete sie. Hier wurden Feste gefeiert, Auszeichnungen vorgenommen. Unten war der Speisesaal, in den oberen Stockwerken befanden sich die Zimmer oder Wohnungen der SS-Leute. Heute ist hier das Parkhotel.

In dem großen Saal fanden in den sechziger Jahren Hochzeiten statt. Quelle: 493) 494)